Tanken oder Essen?

MISEREOR: Biokraftstoffquote muss zurückgenommen werden

(Aachen, 04.03.2011) In der Diskussion um die misslungene Einführung des neuen Biosprits E10 fordert das katholische Hilfswerk MISEREOR die Bundesregierung auf, die Biokraftstoffquote zurückzunehmen.

"Gerade in den Ländern des Südens trägt die rapide anwachsende Nachfrage nach Agrosprit zur Verknappung der Flächen für Grundnahrungsmittel bei", so MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon. Der Anbau von Nahrungsmitteln stehe eindeutig in Konkurrenz zum Anbau von Energiepflanzen, wie Soja, Mais und Zuckerrohr, und führe daher zu einer Verstärkung der Landnahme ("Landgrabbing") in Afrika, Asien und Lateinamerika. Dies treibe die Bodenpreise in die Höhe und verteuere Lebensmittel."Kleinbauern werden von ihrem Land vertrieben, damit Großinvestoren im Agrotreibstoffgeschäft hohe Renditen erzielen können. Eine erhöhte Nachfrage durch die  europäische Beimischungsquote führt zu einem Kampf um Land und Lebensraum in Entwicklungsländern", so Bröckelmann-Simon.

Diese Erkenntnisse sind nicht neu. Laut einem Bericht der Weltbank von 2008 sei die Herstellung von Treibstoff aus Pflanzen für mindestens 75 Prozent des Anstiegs der Nahrungsmittelpreise verantwortlich. Der Anteil von 10 Prozent in Agrotreibstoffen kann nicht in Deutschland produziert, sondern nur mit erheblichen Importen erreicht werden. Die Einfuhren kämen im Wesentlichen aus Ländern des Südens wie Brasilien, Argentinien,  Indonesien oder Malaysia, ohne dass die nötigen sozialen und ökologischen Nachhaltigkeitsstandards überprüfbar garantiert seien.

"Wir fordern die Bundesregierung daher auf, die aktuelle Debatte um die misslungene Einführung des Agrosprits E10 zum Anlass zu nehmen, ihre Entscheidung auch aufgrund der sozialen und menschenrechtlichen Situation in den Entwicklungsländern zu revidieren", so Bröckelmann-Simon. Eine Möglichkeit dazu  böte sich beim geplanten "Benzingipfel", bei dem die Folgen für die Menschen in den Entwicklungsländern ebenso im Mittelpunkt stehen müssten wie die Belange deutscher Verbraucher.

Qu.: Misereor 04.03.2011

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